Almuth Schult ist eine Institution. Wer an den deutschen Frauenfußball denkt, kommt an ihrem Namen nicht vorbei. Olympiasiegerin, Europameisterin, mehrfache Double-Siegerin mit dem VfL Wolfsburg – ihre Vita liest sich wie ein Märchen des modernen Sports. Doch ihr bedeutendster Sieg fand vielleicht gar nicht im Stadion statt. Als sie im Jahr 2019 ihre erste Schwangerschaft mit Zwillingen bekannt gab, betrat sie Neuland. In einer Zeit, in der Mutterschaft im deutschen Profifußball fast zwangsläufig das Karriereende bedeutete, entschied sich Schult für einen anderen Weg: den Weg zurück.
Die Herausforderungen waren gewaltig. Es gab kaum Präzedenzfälle, keine festen Strukturen für „Fußball-Mamas“ und wenig Verständnis für die physischen Veränderungen, die eine Zwillingsgeburt für eine Leistungssportlerin mit sich bringt. Doch Schult bewies, dass die biologische Realität einer Schwangerschaft kein Hindernis für Weltklasse-Leistungen sein muss. Ihr Comeback nach der Geburt ihrer Zwillinge im Jahr 2020 war ein Meilenstein, der den Weg für viele andere Spielerinnen ebnete.
Der Mut zur Lücke: Die zweite und dritte Schwangerschaft
Dass Almuth Schult eine Kämpferin ist, bewies sie erneut, als sie 2023 ihre dritte Schwangerschaft bekannt gab. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits ein Vorbild für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihr Weg führte sie über den Angel City FC in den USA zurück nach Deutschland zum Hamburger SV. Interessanterweise zeigte sich hier ein deutlicher Kontrast: Während in den USA Profisportlerinnen mit Kindern zum Alltag gehören und die Infrastruktur (Kinderbetreuung, Reisen mit Familie) oft professionell organisiert ist, hinkt Europa in dieser Hinsicht teilweise noch hinterher.
Schult thematisierte diese Diskrepanz immer wieder offen in den Medien. Sie wurde zur Stimme derer, die sich nicht zwischen ihrem Sport und ihrem Wunsch nach einer Familie entscheiden wollten. Ihre Offenheit über die Schwierigkeiten – vom Schlafmangel bis hin zur organisatorischen Belastung – machte sie nahbar und authentisch.
Aktueller Stand 2026: Das vierte Kind und das Ende einer Ära
Im Jahr 2025 und 2026 erreichte die Geschichte von Almuth Schult ein neues Kapitel. Nach der Geburt ihres vierten Kindes (einer Tochter im Oktober 2025) traf die Ausnahmesportlerin eine schwere, aber reflektierte Entscheidung. Im März 2026 verkündete sie das offizielle Ende ihrer aktiven Karriere als Torhüterin.
In ihrem Podcast „Almuths Pausen-T“ und in Interviews mit Medien wie der BUNTE oder dem RND sprach sie Klartext über die Gründe. Es war nicht der Mangel an sportlicher Qualität – Schult betonte, dass sie sich physisch noch ein bis zwei Jahre auf Top-Niveau zugetraut hätte. Vielmehr war es die mangelnde Akzeptanz und fehlende Unterstützung der europäischen Spitzenvereine. Die bittere Erkenntnis: Trotz all ihrer Erfolge und ihrer Vorreiterrolle scheiterten Vertragsgespräche oft an der Tatsache, dass sie Mutter von vier Kindern ist. Ein Verein müsse nicht nur die Spielerin verpflichten, sondern auch das „System Familie“ mitdenken – eine Hürde, die für viele Klubs im Jahr 2026 offenbar immer noch zu hoch ist.
Warum Almuth Schult für den Frauenfußball so wichtig ist
1. Aufbrechen von Geschlechterstereotypen
Lange Zeit galt im Profisport das ungeschriebene Gesetz: Eine Frau kann entweder Weltklasse-Athletin sein oder Mutter, aber nicht beides gleichzeitig. Almuth Schult hat dieses Narrativ durchbrochen. Sie zeigte, dass eine Schwangerschaft keine „Verletzung“ ist, sondern ein natürlicher Prozess, nach dem eine Rückkehr in den Leistungssport möglich ist.
2. Politische Arbeit und FIFA-Regelungen
Schult beließ es nicht beim sportlichen Erfolg. Sie engagierte sich aktiv in Gremien und arbeitete an den neuen FIFA-Reglementierungen mit, die schwangeren Spielerinnen heute mehr Rechte und finanzielle Absicherung garantieren. Dass sie beim HSV außerhalb der Transferperiode unterschreiben konnte, war ein direktes Resultat dieser neuen Regeln.
3. Vorbildfunktion als TV-Expertin
Auch während ihrer Schwangerschaften blieb sie dem Fußball erhalten – als scharfzüngige und hochkompetente TV-Expertin. Sie bewies, dass Fachwissen und Mutterschaft wunderbar harmonieren. Ihre Präsenz in der ARD oder bei DAZN hat das Bild der Frau im Fußball-Medienbetrieb nachhaltig gestärkt.
Die Herausforderungen einer Fußball-Mama
Die Geschichte von Almuth Schult ist keine reine “Feel-Good-Story”. Sie ist auch eine Erzählung über Widerstände. Werfen wir einen Blick auf die Realität, mit der Profifußballerinnen konfrontiert sind:
- Physische Regeneration: Der Körper einer Torhüterin muss nach einer Schwangerschaft wieder auf 100% Leistung gebracht werden. Das erfordert spezielles Training, das oft nicht von den Vereinen bereitgestellt wird.
- Finanzielle Risiken: In vielen Verträgen gab es früher Klauseln, die bei Schwangerschaft eine Gehaltsfortzahlung ausschlossen. Erst durch den Druck von Spielerinnen wie Schult änderte sich dies.
- Logistik: Wer betreut die Kinder während des Trainings oder bei Auswärtsspielen? Während männliche Profis oft auf die Unterstützung ihrer Partnerinnen zählen können (die ihre Karriere meist hintenanstellen), müssen Fußballerinnen oft komplexe Betreuungsnetzwerke mit Großeltern und Nannys koordinieren.
FAQs
Wie viele Kinder hat Almuth Schult?
Almuth Schult ist Mutter von vier Kindern. Im Jahr 2020 brachte sie Zwillinge zur Welt, 2023 folgte das dritte Kind und im Oktober 2025 wurde ihre zweite Tochter geboren.
Spielt Almuth Schult noch aktiv Fußball?
Nein, Almuth Schult hat ihre aktive Karriere im März 2026 offiziell beendet. Sie gab an, dass die Vereinbarkeit von Familie und dem Anforderungsprofil europäischer Top-Klubs letztlich den Ausschlag für diesen Schritt gab.
Wird Almuth Schult weiterhin im Fernsehen zu sehen sein?
Ja, Almuth Schult ist weiterhin als gefragte TV-Expertin und Analystin tätig. Ihre Expertise wird bei großen Turnieren und in der Bundesliga-Berichterstattung hochgeschätzt.
Was hat sie durch ihre Schwangerschaften im Fußball verändert?
Sie war maßgeblich daran beteiligt, dass das Thema Mutterschutz und die Rechte von Müttern im Profifußball institutionalisiert wurden. Sie hat gezeigt, dass Mütter im Profisport kein „Risiko“, sondern eine Bereicherung sind.
Fazit
Almuth Schult verlässt die große Bühne des aktiven Fußballs nicht als jemand, der gescheitert ist, sondern als jemand, der eine Tür weit aufgestoßen hat. Wenn heute junge Spielerinnen über ihre Zukunft nachdenken, müssen sie den Kinderwunsch nicht mehr zwangsläufig bis nach der Karriere aufschieben.
Die Schlagzeile „Almuth Schult schwanger“ wird in der Rückschau als der Moment gewertet werden, in dem der deutsche Frauenfußball erwachsen wurde. Es geht nicht mehr nur um Tore und Punkte, sondern um die Anerkennung der Frau in ihrer gesamten Identität – als Sportlerin, als Expertin und als Mutter. Almuth Schult hat bewiesen, dass man im Tor stehen und gleichzeitig das Leben in all seiner Fülle feiern kann. Ihr Rücktritt 2026 markiert das Ende einer beeindruckenden aktiven Laufbahn, aber ihre Rolle als Vorkämpferin für Gleichberechtigung wird noch Jahrzehnte nachwirken.

